26. Juli 2011

Deutsche Wirkstoff-Forscher bündeln ihre Expertise

Neue Medikamente: Verbund von Forschungszentren soll Entwicklung vorantreiben / HZI bringt Know-how über Naturstoffe ein

Zellen, Viren und Bakterien bieten noch viele unentdeckte Angriffspunkte für Medikamente. Dasselbe gilt für die Signal-Moleküle des menschlichen Körpers. Für die Medikamentenentwicklung sind diese Angriffspunkte entscheidend.

Agarplatten

Helmholtz-HZIAgarplatten

Zellen, Viren und Bakterien bieten noch viele unentdeckte Angriffspunkte für Medikamente. Dasselbe gilt für die Signal-Moleküle des menschlichen Körpers. Für die Medikamentenentwicklung sind diese Angriffspunkte entscheidend. Wie kann man sie ausfindig machen? Welche Substanzen können auf sie einwirken, um Krankheitserreger zu blockieren, Tumorwachstum zu stoppen, Entzündungen einzudämmen? Diesen Fragen geht jetzt ein Verbund von Forschungszentren in ganz Deutschland nach.

Mehrere Einrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft, Deutschlands größter Forschungsorganisation, und ihre Partner-Institute wollen Expertise und Technologien kombinieren, um neue Wirkstoffe für die Medizin schneller und effizienter zu entwickeln. Mit dabei: Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig mit seiner Saarbrücker Außenstelle HIPS. Die Helmholtz-Gemeinschaft fördert das bundesweite Projekt mit jährlich bis zu 3,5 Millionen Euro im Rahmen des Paktes für Forschung und Innovation.

"Seit etwa 15 Jahren stellen wir fest, dass die Entwicklung neuer Medikamente gegen verbreitete Volkskrankheiten wie Krebs oder Infektionen ins Stocken geraten ist", sagt Dr. Ronald Frank, Koordinator der Helmholtz-Wirkstoffforschung. "Dabei steigen die Fallzahlen bei vielen solcher Erkrankungen an. Zugleich stehen wir ganz neuen Herausforderungen gegenüber: Krankheitserreger werden resistent gegen unsere klassischen Medikamente, demographische Veränderungen erfordern neue Therapiekonzepte." 

Frank, der teils am HZI, teils am Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) forscht, verspricht sich beträchtliche Synergie-Effekte von dem neuen Verbund: "Wir wollen die Expertise aller Partner zusammenführen, die anspruchsvollen Technologien gemeinsam nutzen und unsere Erfahrungen austauschen."

Die Wissenschaftler visieren dabei unter anderem Wirkstoffe an, die die Wechselwirkung zwischen Protein-Molekülen oder die Aktivität bestimmter Gene beeinflussen. Diese sollen schneller aufgefunden, getestet und für eine mögliche klinische Verwendung – zum Beispiel als Antiinfektiva – weiterentwickelt werden.

"Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung hat langjährige Erfahrung mit der Erforschung von Wirkstoffen aus der Natur", erklärt Prof. Rolf Müller, Direktor des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) und Leiter der HZI-Abteilung "Mikrobielle Wirkstoffe". Hier wurden die im Erdreich vorkommenden Myxobakterien erstmals erfolgreich zur Produktion ihrer zahlreichen biologisch aktiven Stoffwechselprodukte eingesetzt und diese auf ihre Wirkung untersucht. Eine dieser Substanzen, das Epothilon, ist mittlerweile in den USA als Krebsmedikament in Gebrauch.

Kontakt

  • Dr. Ronald Frank

    Koordinator Helmholtz Wirkstoffforschung

    Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

    Inhoffenstraße 7
    38124 Braunschweig

    Telefon: 0531 6181-3400
    Fax: 0531 6181-3499
    E-Mail: Kontakt

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